Auf ewig und einen Tag - Roman by Elizabeth Joy Arnold Angelika Felenda

Auf ewig und einen Tag - Roman by Elizabeth Joy Arnold Angelika Felenda

Autor:Elizabeth Joy Arnold Angelika Felenda
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: PeP eBooks


Ich wartete, bis Justin wegging, um die Post zu holen, setzte mich dann mit kribbelndem Bauch in die Küche, eine Hand lag auf dem Telefon, in der anderen hielt ich die Nummer meiner Mutter. Ich klopfte viermal mit dem Fuß, hob ab und lauschte dem Klingelton. Ich klopfte erneut viermal und legte den Hörer wieder auf. Dann stand ich auf und ging zum Fenster. Was für ein herrlicher Tag draußen, und ich fiel wieder in meine alten Marotten zurück.

Ohne mir einen weiteren Gedanken zu gestatten, hob ich den Hörer wieder ab und wählte die Nummer. Ich ließ es zweimal klingeln. Mit stockendem Herzen warf ich den Hörer zurück auf die Gabel. Was sollte ich sagen? Wie sollte ich sie überhaupt nennen? Mom? Mrs. Barnard? Benutzte sie diesen Namen noch? Diana. Hallo, Diana, hier ist Kerry Barnard. O Gott.

Aus dem Hobbyraum hörte ich Eves trockenen Husten und wie sie kämpfte, um Luft zu bekommen. Inzwischen geriet sie noch schneller außer Atem und hatte das Gehen fast völlig aufgegeben. Unsere Mutter sollte Bescheid wissen, hatte Georgia gesagt, aber wenn sie Eve jetzt sähe, was hätte sie dann davon? Sie würde einen Schatten sehen, keine Tochter, keine Person, die den Aufwand lohnte.

Ich schloss die Augen, bis ich hörte, wie sich Eves Atmung beruhigte, dann wählte ich noch einmal die Nummer.

Ein Klicken und ein Zischen, dann eine Stimme. »Hallo, ich bin leider im Moment nicht zu Hause …« Ich knallte den Hörer auf. Das war sie. Das war die Stimme meiner Mutter. Ich wählte erneut.

Ein, zwei, drei Klingeltöne, klick-zisch. »Hallo, ich bin im Moment leider nicht zu Hause …« Ich legte auf.

Sie hatte einen starken Bostoner Akzent, der mir eine Gänsehaut verursachte. Sie klang harsch, großstädtisch, fast maskulin, wie ein Gebrauchtwagenhändler. Nicht wie ich erwartet hatte. Ganz und gar nicht.

Ich wählte noch einmal und versuchte, mich an die Stimme zu gewöhnen. »Mom«, flüsterte ich, »Mutter«, um es einzuüben. Dann folgte ein scheußlich synthetischer Song, wie man ihn vielleicht auf einem neu gekauften Anrufbeantworter hört, bevor man bemerkt, dass man ihn löschen muss. Als der Song vorbei war, flüsterte ich ohne nachzudenken, »Hallo.«

Der Hörer entglitt mir und schlug klappernd gegen den Tisch. Ich packte ihn, legte ihn auf die Gabel, hielt ihn aber weiter mit der Hand umklammert. Sie würde diese Nachricht hören. Meine Mutter würde meine Stimme hören und sich vielleicht fragen, ob ich das sein konnte. Ich holte tief Luft. Ein letztes Mal.

Ein, zwei, drei Klingeltöne und dann die Stimme. »Wer zum Teufel ist da?«

O mein Gott.

Ich sackte an der Wand entlang auf den Hintern und konzentrierte mich auf einen schwarzen Fingerabdruck auf der gelben Tapete. »Ich …« Meine Stimme war ein heiseres Krächzen. »Hallo.« Ich schüttelte den Kopf. »Hallo, ich bin’s. Hier ist Kerry.« Ich krümmte die Zehen in meinen Turnschuhen. »Hier ist deine Tochter Kerry.«

Ich konnte sie am anderen Ende atmen hören, jedes Geräusch war verstärkt. Ich hörte alles, angefangen vom Knacken der Grundmauern bis hin zum Zischen eines Heizkörpers. Ich glaubte zu hören, wie ihr Gehirn nach Worten suchte, stellte mir den Schrecken auf ihrem Gesicht vor, und die Freude.



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